Spas weltweit: Der große Gehälter-Vergleich (Teil 2)

Wie unterscheiden sich Gehälter und Sozialleistungen in der Kosmetikbranche rund um den Globus? Eine Umfrage in 38 Ländern zeigt die Unterschiede: Welche Regionen könnten Vorreiter sein? Wo ist Raum für Verbesserungen? Sollten Entlohnung und Standards einheitlicher sein?
Wie Teil 1 dieser Analyse zeigte, (s. Spa Beauty Guide 2015), werden Kosmetik- und Wellnessbehandlungen für immer mehr Menschen zu einer Selbstverständlichkeit. Wie es jedoch hinter den Kulissen von Spas rund um den Globus zugeht, bleibt Reisenden verschlossen. Es gibt weder internationale Standards für Kosmetikbehandlungen oder -dienstleister, noch für Lohnniveau oder Sozialleistungen.


Europa: „Größte Unterschiede bei der Bezahlung“
Die große Vielfalt von Einrichtungen (Mineralbäder, Resorts, Kliniken, Hotel Spas, Kosmetiksalons) führt zu großen Unterschieden bei der Bezahlung. Die Monatseinkünfte rangieren von 483 USD (389 EUR) in Ungarn bis zu 5.008 USD (4.030 EUR) in der Schweiz. Die Anzahl der Mitarbeiter mit festem Gehalt und derjenigen mit zusätzlicher Umsatzbeteiligung hält sich in etwa die Waage. Eine durchschnittliche Arbeitswoche dauert 37 Stunden.
Anna Bjurstam, Inhaberin der schwedischen Spa-Consulting-Firma Raison d’Etre und Vizepräsidentin des Spa- und Wellness-Unternehmens Six Senses: „Wo die Gehälter in Europa niedrig sind, spiegeln sie die Kaufkraft in dem jeweiligen Land wider. Wenn Sie eine Gewinnspanne von 20 Prozent erreichen, können Sie sich glücklich schätzen. Diese makroökonomischen Faktoren liegen außerhalb der Kontrolle der Spa-Branche, aber die Unternehmen müssen dementsprechend planen.“
Die Kosmetikerinnen und Kosmetiker in den europäischen Beispielen haben das dritthöchste Durchschnittseinkommen der globalen Untersuchung (2.073 USD / 1.668 EUR im Monat) nach denen in Ozeanien (Neuseeland und Australien) und Nordamerika. Dafür gibt es in dieser Region am wenigsten Fortbildungen weltweit: durchschnittlich nur 33 Stunden im Jahr.


 

Afrika: „Vielversprechende Entwicklungen“
Die Spa-Branche auf dem afrikanischen Kontinent steckt noch in den Kinderschuhen, auch wenn Südafrika und Marokko vielversprechende Entwicklungszentren sind. Die geschätzten Gehälter liegen zwischen 656 und 994 USD (528 bis 800 EUR) und sind die drittniedrigsten in der Stichprobe obwohl die durchschnittliche Arbeitswoche von 46 Stunden zu den höchsten gehört.
Verena Lasvigne-Fox, Spa-Leiterin im Vier Jahreszeiten in Marrakesch: „Die Entwicklung der Gehälter in Afrika hängt vom Tourismus in jeder einzelnen Region ab. Wenn sich der Tourismus entwickelt, wird es mehr Nachfrage für höher qualifizierte Spa-Fachkräfte geben, was zu höheren Gehältern führen wird.“ Weiterhin gebe es auch Veränderungen in der Art und Weise wie die Mitarbeiterinnen bezahlt werden: „Hier, oder zumindest in Nordafrika, orientiert man sich an europäischen Modellen und fragt nach Umsatzbeteiligungen oder Boni, während die meisten Spas immer noch ein Einheitsgehalt zahlen.“
Positiv ist, dass es hier die größte Zahl an Weiterbildungsstunden gibt – und Mitarbeiterinnen schätzen es, wenn sie mit Qualifikationen ausgestattet werden, von denen sie ihr Leben lang profitieren. In Afrika bekommen Spa-Fachkräfte im Schnitt 333 Stunden Ausbildung im Jahr, das sind über 200 Stunden mehr als in anderen Regionen. Lasvigne-Fox: „Ohne Regelungen, Kosmetikschulen oder feste Standards müssen sich die Spas selbst um die Ausbildung kümmern.“

Der Mittlere Osten: „Kaum einheimische Kräfte“
Die Umfragedaten aus dem Mittleren Osten zeigen große Abweichungen bei der Bezahlung, allerdings nicht so große Bandbreiten wie in Europa. Die Monatsgehälter rangieren von 337 USD (271 EUR) in ägyptischen Hotel- und Resort-Spas bis zu 1.785 USD (1.436 EUR) in Katar.
Zahlungsmodi und Arbeitszeiten sind einheitlicher: Die Fachkräfte bekommen ein Grundgehalt und Umsatzbeteiligung in jedem Land, das sich an der Umfrage beteiligt hat, außer in Jordanien. Die Arbeitszeiten variieren zwischen 45 und 50 Wochenstunden und gehören damit zu den höchsten weltweit.
Kathryn Moore, internationale Projektmanagerin für MSpa, das mit fünf Einrichtungen im Mittleren Osten vertreten ist: „Es gibt nur wenige einheimische Kräfte. Die Angestellten werden stattdessen aus dem Ausland geholt, was ein Grund für die Unterschiede in den Gehältern ist.“ Das bedeutet auch, dass die Arbeitgeber mehr Sozialleistungen anbieten müssen: Mitarbeiterinnen bekommen viele Leistungen, von einer Rundum-Krankenversicherung über Wohnungsbeihilfen bis hin zu Jahresboni und bezahltem Urlaub. „Fast alle Spa-Angestellten im Mittleren Osten kommen aus anderen Ländern“, ergänzt Moore. „Ursprünglich kamen sie nur aus Thailand und Bali, aber inzwischen stellen wir fest, dass Kräfte aus Südafrika, Australien und Großbritannien bereit sind, für die gleiche Summe zu arbeiten wie ihre asiatischen Kolleginnen – und sie sind besser darin, den Verkauf anzukurbeln und mehr Umsatz zu generieren.“
Doch auch wenn das Personal aus westlichen Industrienationen den Profit erhöht, glaubt Moore, dass dies letztendlich die Arbeitskosten nach oben treiben wird.
Die Umfrage zeigt, dass das Spa-Personal im Mittleren Osten im Schnitt 121 Stunden Fortbildung im Jahr bekommt. Das ist die zweithöchste Stundenanzahl und möglicherweise eine Konsequenz der zusätzlichen Ausbildung, die nötig ist, um in einer muslimischen Kultur zu arbeiten. Ebenso ist es eine Folge der hohen Ansprüche von Kundinnen in den vielen Fünf- und Sechs-Sterne-Resorts.

Ozeanien: „Hohe Gehälter, wenig Fortbildung“
Die Gehälter von Spa-Fachkräften in Neuseeland und Australien sind mit denen in den USA und Großbritannien vergleichbar. Sie haben auch die höchsten Durchschnittsgehälter (3.145 USD / 2.531 EUR im Monat) und die kürzeste Arbeitswoche (29 Stunden) sowie sehr gute Sozialleistungen.
Erklären lässt sich dies durch die strikte Arbeitsgesetzgebung. Hady Wenham, Besitzerin der Kette „Forme Spa“ in Neuseeland, erläutert: „Der Mindest-Stundenlohn in Neuseeland beträgt 14,25 Neuseeländische Dollar (USD 12,32 / EUR 9,91). In Australien sind es 16,37 Australische Dollar (USD 15,35 / EUR 12,35). Außerdem muss der Arbeitgeber in Neuseeland vier Wochen bezahlten Urlaub gewähren sowie etwa zehn gesetzliche Feiertage und fünf Tage Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Spa-Angestellte werden normalerweise nach Stundenlohn bezahlt, ggf. bekommen sie zusätzliche Umsatzbeteiligungen und Boni. Die Stundenlöhne machen jedoch den Löwenanteil der Entlohnung aus. In einigen Bereichen der Branche ist man zu einer reinen Umsatzbeteiligung oder einer Pauschale pro Behandlung übergegangen.“
Mit 47 Stunden ist die durchschnittliche Fortbildungszeit die zweitniedrigste aller Beispielregionen. Hany Wenham betont, dass das Training von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich ist, wobei die meisten es den Herstellern überlassen, in ihren Einrichtungen Markteinführungskurse durchzuführen.

Fazit: Was sagt die Studie aus?
Wie in diesem und im vorangegangenen 1. Teil des Beitrags (s. Spa Beauty Guide 2015) geschildert, gibt es für Kosmetikerinnen in punkto Training, Bezahlung und Sozialleistungen weltweit gesehen immense Unterschiede. Gleichzeitig boomt die Wellness-Branche und die Nachfrage nach qualifizierten, motivierten Fachkräften steigt. Wünschenswert ist daher – zumindest regional – eine gewisse Nivellierung von Lohn und Sozialleistungen. Dies würde die Branche für Arbeitskräfte attraktiver machen und hoher Fluktuation vorbeugen.

Datenerhebung
In dieser Umfrage, die wissenschaftlichen Standards nicht genügt, gaben 64 Spa-Inhaber Auskünfte zur Bezahlung in ihrem Land, nicht in ihrem eigenen Betrieb. Es handelt sich um Näherungswerte, da die Zahlen nicht auf einem einheitlichen Berichtssystem basieren. Der Durchschnittswert entstand durch die Zusammenfassung mehrerer Länder.
Mittels Numbeo, einer Website, die Variablen zur Messung des Lebensstandards zusammenfasst, wurden die Lebenshaltungskosten verglichen. Die Stadt New York hat hier als Richtgröße den Wert 100. Wird eine Stadt also mit 80 bewertet, liegen die dortigen Lebenshaltungskosten um 20 Prozentpunkte niedriger als in New York.

Über die Autorin
Lisa Starr, Unternehmensberaterin, Trainerin und Ausbilderin, hilft Spas seit 30 Jahren, Kundenkontakt und Geschäftsergebnisse zu verbessern. Sie ist Gastautorin von „The Weekender“, dem Newsletter des Global Spa & Wellness Summit. E-Mail lstarr@wynnebusiness.com