Vegane Kosmetik ⁃ und was diese auszeichnet

Der Markt für vegane Produkte wächst und erlebt bereits seit einigen Jahren einen bemerkenswerten Aufwärtstrend. Der Hauptanteil an veganen Produkten umfasst jedoch Lebensmittel, vegane Kosmetik nimmt bis jetzt einen relativ kleinen Teil ein, was sich in Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklungen in Zukunft ändern dürfte.

„Der typische Veganer ist weiblich, gut gebildet und unter 30 Jahre alt.

Seit März 2013 ist in der Europäischen Union der Verkauf von Kosmetikprodukten, für deren Inhaltsstoffe Tierversuche durchgeführt wurden, verboten. Allerdings gilt dies ausschließlich für kosmetische Inhaltsstoffe. Es gibt aber auch solche (z. B. Farb- und Duftstoffe), die unter die Chemikalienrichtlinie fallen, das heißt, für diese Stoffe sind Tierversuche sogar gesetzlich vorgeschrieben. Tierversuchsfreie Kosmetik kommt hingegen ganz ohne diese Stoffe aus.
Naturkosmetik wird üblicherweise aus pflanzlichen Rohstoffen und/oder Produkten lebender Tiere hergestellt. Sie muss daher nicht zwingend auch vegan sein. Grundsätzlich ist in der Naturkosmetik der Einsatz von Inhaltsstoffen, die von Tieren aller Art produziert werden, erlaubt. Solche Stoffe können beispielsweise Honig, Bienenwachs oder Milch sein. Rohstoffe aus toten Wirbeltieren wie zum Beispiel Nerzöl und Murmeltierfett dürfen in der Naturkosmetik nicht verwendet werden.


Alternative Inhaltsstoffe


Vegane Kosmetik enthält alternative Inhaltsstoffe, die genauso wirksam wie verträglich sind. So kommt beispielsweise Allantoin, ein Abbauprodukt der Harnsäure im Eiweißstoffwechsel von vielen Säugetieren, in zahlreichen Cremes und Lotionen vor. Alternativen dafür sind unter anderem Weizen- und Sojakeimlinge, Rosskastanien, Reis und die Beinwellwurzel. Ein weiteres Beispiel für vegane Kosmetik: Gelée Royale gilt als Wunderwaffe gegen die vorzeitige Hautalterung und ist in vielen Kosmetikprodukten enthalten. Es handelt sich dabei um das Drüsensekret von den Arbeiterinnen der Honigbiene, mit dem vor allem die Bienenkönigin aufgezogen wird. Vegane Kosmetik verzichtet darauf und verwendet stattdessen Aloe Vera und Beinwell, die eine ähnliche Wirkung haben. Weit verbreitet ist zudem Keratin, ein Protein aus zermahlenen Hörnern, Hufen, Haaren und Federn von verschiedenen Tieren. Keratin wird gerne in Haarshampoos und Spülungen eingesetzt, doch vegane Kosmetik kennt auch dafür sinnvolle Alternativen wie Sojaprotein, Mandelöl und Brennnessel.
Für viele Zusatz- wie Inhaltsstoffe müssen Alternativen gefunden, getestet und letztendlich in der Produktion bzw. beim Lohnhersteller gelagert werden. Inklusive des verwaltungstechnischen Aufwands macht es das ehrliche und gut entwickelte vegane Produkt ein wenig teurer.

 

Ökologisch unbedenklich?


In der Kosmetik schließen sich die Attribute »vegan« und »ökologisch vertretbar« leider häufig aus. Kein Wunder, denn um zu gewährleisten, dass nur Wirkstoffe nicht-tierischen Ursprungs verwendet werden, müssen die Hersteller diese durch synthetische oder natürliche Substanzen ersetzen. Aber nicht immer sind die veganen Alternativen auch in einer unbedenklichen Qualität verfügbar.
Es gilt also, sich gleich zwei Herausforderungen zu stellen:

• Bei der Herstellung soll konsequent auf tierische Substanzen verzichtet werden.
• Die vegane Kosmetik muss trotz alternativer Inhaltsstoffe den hohen ökologischen Ansprüchen genügen.

Dies kann durchaus gelingen. Gute vegane Kosmetik ist frei von Tierextrakten und Substanzen tierischer Herkunft. Des Weiteren kommt sie häufig ohne Mineralölderivate, Sulfate, synthetische Farbstoffe und Parabene aus.
Ob ein Produkt tatsächlich frei von tierischen Inhaltsstoffen ist, lässt sich nicht immer eindeutig erkennen. Ein Beispiel dafür ist Glycerin. Es stammt üblicherweise aus Rindertalg. Der Stoff entsteht bei der Verseifung. Allerdings lässt sich Glycerin auch durch Verseifung von pflanzlichen Fetten und Ölen gewinnen. Für den Verbraucher ist dies jedoch oft unklar, da die Deklaration bei herkömmlicher Kosmetik keine Hinweise auf den Ursprung des Glycerins liefert. Xanthan Gum ist ein ähnliches Beispiel: Es ist ein natürlicher Verdicker (Stabilisator) pflanzlichen Ursprungs. Diese Substanz wird typischerweise mit Eiklar gereinigt, kommt also mit einem tierischen Produkt in Berührung. Reine vegane Kosmetik verwendet ausschließlich Glycerin pflanzlichen Ursprungs und Xanthan Gum ohne das beschriebene Reinigungsverfahren.

Zertifizierungen vermitteln Sicherheit

Im Zweifelsfall gilt für Kosmetika generell: Ob ein Produkt wirklich vegan ist, erkennen Verbraucher zum Beispiel an dem »Vegan«-Label der Vegan Society (https://www.vegansociety.com), einer bis heute agierenden Gesellschaft, die schon im Jahre 1944 gegründet wurde. Die Vegan Society gibt spezielle Kriterien vor, wonach Produkte offiziell als vegane Kosmetik eingestuft werden dürfen oder eher nicht. Auch das V-Label von VEBU (http://v-label.eu/de/) zertifiziert Kosmetika. Das »Cruelty free«-Symbol oder der »Leaping bunny« zeigen ebenfalls an, dass Produkte ohne tierische Zusatzstoffe bzw. tierversuchsfrei hergestellt und entwickelt worden sind. Nur wenn ein Produkt als Zertifizierung eines dieser Labels besitzt, haben Verbraucher die Sicherheit, dass sie auch wirklich vegane Kosmetik erwerben.
Mittlerweile gibt es viele selbstentwickelte Symbole, mit denen Hersteller/Marken vegane und tierversuchsfreie Produkte anzeigen. Das ist eine positive Entwicklung, denn hier investieren die Marken oft in eine bessere Rohstoffqualität bzw. höhere Wirkstoffkonzentration. Die Zertifizierungsgebühren werden so sinnvoll in das Produkt investiert. Ein ehrlich gemeintes Siegel erkennt der Verbraucher an den selbstauferlegten Kriterien.

„Vegane Kosmetik enthält keinerlei Inhaltsstoffe, die aus oder von Tieren produziert werden bzw. unter Verwendung von Tier-produkten hergestellt wurden

Es gibt einige Kosmetikprodukte, die aufgrund ihrer speziellen Rezeptur generell auf tierische Inhaltstoffe verzichten. Das sind beispielsweise häufig die beliebten Erkältungs-, Rheuma- und Entspannungsbäder, die prinzipiell auf pflanzliche Stoffe und ätherische Öle setzen und gar keine weiteren Inhaltsstoffe benötigen. Aber auch Hautöle und -cremes, die Rohstoffe wie Nachtkerze und Mandelblüten enthalten, sind frei von tierischen Bestandteilen. Ein Klassiker unter den Körperpflegeprodukten ist ebenfalls absolut vegan: Franzbranntwein. Gleiches gilt übrigens für viele Kühl- und Schmerzgele, die gegen Muskelverspannungen eingesetzt werden. All diese Produkte sind vegan und werden auch von den Menschen geschätzt, die eigentlich behaupten, Gegner der veganen Lebensart zu sein.

Getestete Verträglichkeit


Vegane Kosmetik ist weder besser noch schlechter verträglich als herkömmliche Produkte, erklären Hautärzte. Sie eignet sich generell für jeden, allerdings kann es in Einzelfällen auch hier zu Allergien kommen. Die individuelle Verträglichkeit hängt jedoch immer von den einzelnen Inhaltsstoffen und der jeweiligen Konzentration ab. Viele Verträglichkeitstests wurden auf Zellkulturtests umgestellt oder es wird einfach an menschlichen Probanden getestet. Der oft abschließende Verträglichkeitstest, welcher der Auslobung »dermatologische Hautverträglichkeit bestätigt« zugrunde liegt, wird meist an 30 bis 50 freiwilligen Probanden ausprobiert, die dafür eine Aufwandsentschädigung erhalten. So lässt sich schnell feststellen, ob das neuentwickelte Produkt gut bis sehr gut hautverträglich ist.
Mittlerweile gibt es eine Reihe hochwirksamer pflanzlicher Substanzen, sodass auf tierische Stoffe durchaus verzichtet werden kann und das Produkt dennoch einen hohen Nutzen hat. Wildrose und Aloe Vera zum Beispiel besitzen viele wertvolle Inhaltsstoffe, die unter anderem die Haut heilen und regenerieren. Insgesamt ist vegane Kosmetik also mindestens genauso wirksam wie herkömmliche Kosmetik.
Jedes kosmetische Produkt ist vegan herstellbar und muss den bisherigen Kosmetika in keinem Aspekt nachstehen.

Rainer Kröpke, Geschäftsführer der Cosmacon GmbH, entwickelt seit mehr als 25 Jahren Kosmetika. Mit seinem Team hat er sich auf hochwertige, hautfunktionale Produkte spezialisiert.
Info: www.cosmacon.de